Montag, August 22, 2005

Emotionale Intelligenz und Menschenkenntnis von Frau
... Der Titel ist nicht falsch geschrieben, Frau bezeichnet meine Begleitung eines kürzlich vergangenen Abends. Es gibt in der Tat emotional dumme Frauen und zwar höchst unintelligente, gerade wenn es um die Intentionen von Männer geht, die Frauen ansprechen oder von ihnen angesprochen werden. Wo geht man in Berlin hin, um Spass zu haben? Prenzl*berg, na klar. Tausende junge feierwillige und paarungsbereite Menschen marodieren durch die Gassen. Meist angeschwippst oder gar stärker in ihrer Warnehmung beeinträchtigt. Frau und ich setzen uns an einen prominenten Ort, um eine Party aufzutreiben, eine Ecke, wo se alle vorbei müssen. Wir quatschen Leute an und unterhalten uns ein wenig nebenbei. Nun ist es ratsam, nur die Leute anzuquatschen, die entweder wirklich nett aussehen oder bei denen man die Gesprächsdauern gut abschätzen kann. Nie, wirklich nie, darf man Single-Männer ansprechen, die nach Laberei aussehen. Frau weiss das nicht und landet relativ schnell den 100-Punkte-Treffer.
Andre aus Sibirien, Mitte vierzig. Oberkörper ist unter seiner Lederweste (!) nackt, sein Bauch hängt herunter, kahlgeschorener Kopf. Mein Vorhaben mit Frau einen netten Abend zu verbringen und eine der zahlreichen halböffentlichen Privatparties aufzutreiben rückt mit einem Mal in die Ferne. Andre, sich seiner Wirkung auf 'Normalos' bewusst, kniet vor Frau nieder und gibt ihr einen Handkuss. Sie sei die erste und einzige Dame dieses Wochenendes, die sich nicht von seinem Äußeren abschrecken liesse. Das alleine ist gar kein Problem. Jedoch Andre fängt an, uns seine Lebensgeschichte zu erzählen, zugegeben meist gar nicht so uninteressant, erzählt vom Leben in Russland, in Deutschland, auf der Strasse und wie sehr er sein Leben liebt. Er unterhält sich mit uns beiden, seine Augen sind jedoch die ganze Zeit auf Frau gerichtet. Frau ist höflich und begegnet seinen Ausführungen mit kleinen Einwürfen, die erkennen lassen, dass sie nicht immer die Inhalte seiner lebensweishaften Erzählungen verstanden hat. Es gibt kleine, unsichtbare Stubser in meine rechte Seite, der Art "Mach, dass er weggeht." Ich fand ihn nicht unsympathisch. Abgesehen davon, ermutigt sie ihn indem sie an manchen Stellen nachfragt und ihm ein Bier ausgibt. Er erzählt also weiter. Gibt -für mich klar erkennbare- Zeichen, er sei höchst interessiert an einem Tete-a-tete mit Frau. Er nimmt ihre Hand und erzählt weiter. Sie bekommt das nicht mit, wahrscheinlich fühlt sie sich geschmeichelt. "Seid ihr zusammen?" fragt Andre. "Nein, wir sind nur Freunde.", sagt sie. "Falsche Antwort." denke ich. "Richtige Antwort." denkt Andre und ich muss ihm im Gedanken Recht geben. Tja, das ging dann noch eine ganze Weile so, bis ich dann meinen "Wir treffen jetzt noch ein paar Leute"-Joker gezogen habe, als selbst Frau nicht mehr auf die Erläuterungen eingegangen ist.
Die selbe Misere ereignet sich dann kurze Zeit später in einer zugegeben eher zwielichtigen Lokation. Dieser Ort, namens "Blabla" hat seinen Namen zum Programm gemacht. Blabla machen dort die zahlenmäßig überlegenen männlichen Profi-Trinker und Nachwuchsprofi-Trinker. Warum nur habe ich mich dazu überreden lassen? Alles nur Spacken dort, wirklich - Frau und ich inklusive. Denn es wäre geheuchelt, wenn man Leute, die diesen Laden überhaupt betreten, anders bezeichnen würde. Wir sitzen auf 20 cm Höhe auf einer Lümmelcouch und um uns herum schwerst angetrunkene notgeile Typen. Es ist von vornherein klar, dass man dort keine wirklich netten Bekanntschaften schliesst. Auch ist es ausgeschlossen, dass sich dort intelligente Frauen aufhalten. Der Abend endete also so wie er begonnen hat, nur fünfmal schlimmer. Frau wird von fünf hacken Typen simultan zugelallt. Der eine versucht, über mich an sie heranzukommen, obwohl ich vorgebe, ihr Freund zu sein. Ein anderer versucht ihr ständig in Haar zu fassen, was sie abwehrt. Auf meine Ermahnung hin, dies doch bitte zu unterlassen, bekomme ich eine irre Anstarrgeste mit dem dazugehörigen Aufgeplustere und den üblichen Sprüchen. "Was willst Du denn? Hast Du ein Problem? Wollen wir das gleich hier klären oder sollen wir nach draußen?" Er wird von seinem Kumpel zurückgehalten. Dieser Einladung wäre ich zu diesem Zeitpunkt nur zu gerne nachgekommen. Zumal ich zu diesem Zeitpunkt bereits richtig genervt war. Zumindest verbal halte ich dagegen und versuche ihm die Ernsthaftigkeit meiner Aufforderung klarzumachen und zugleich die drohenden Prellungen abzuwenden. Das Problem dieses Abends war unterm Strich, dass Frau keine Ahnung von dem zu haben scheint, was so in angetrunkenen Männern vorgeht. Auch weiss sie nicht, dass eine Frau, die auf niedlich tut und zuvorkommend freundlich ist, dies noch in unbestimmter Höhe potenzieren kann. Das wäre schon okay. Aber dann soll sie auch wirklich Interesse an den Typen haben...
Lange Rede, kurzer Sinn... Ein übler Abend und eine emotional dumme Frau, die keine Ahnung von Männern hat. Und die es verwunderlich fand, dass ich so genervt war. Erstaunlicher Weise war sie mal eifersüchtig darauf, dass ich mich mit einer ihrer Freundinnen irgendwann eine längere Zeit unterhalten habe... So wie es aussieht, war an diesem Abend pay-back-time. Gratulation, es hat funktioniert, Intelligenzbestie.